Festvortrag Congress I.F.P.B. 2003 - Prof. Bourdiol, Frankreich

Ich hätte nie gedacht, dass meine Entdeckungen im Dezember 1974 beim Skisport in den Pyränenen mein Leben so verändern würden. Ich, der kleine Algerier, der nie Schnee gesehen hatte, der kein Vertrauen zu den verschneiten Abhängen hatte, sich aber auch nicht lächerlich machen wollte entschied sich deshalb für den Langlauf. Ich nahm ein paar Stunden Unterricht und dabei ging alles gut, bis ich trotz politischer und sonstiger Gegenarbeit gefährlich nach rechts Übergewicht bekam.

Der hinter mir fahrende Professor bemerkte bei meinem rechten Skischuh einen Belastungsfehler. Ohne das ich es beabsichtigte kam der rechte Fuß nicht mit, ich hatte einen falschen Standwinkel, was den Widerstand auf der rechten Seite des Ski´s erhöhte, so das ich vom Weg abkam. Als Yang Mensch hatte ich Hohlfüße, das erhöht natürlich die Belastung des lateralen Fußgewölbes. Das erklärt auch den falschen Winkel und die großartigen – wenn auch unwillkürlichen Schwünge bei der Abwärtsfahrt. Ich bemerkte auch, dass ich keine Möglichkeit hatte, die äußere Seite meines Fußes zu unterstützen um auf den verschneiten Hängen Kraft entwickeln zu können, damit sich Wirbelsäule und Becken synchron bewegen.

Eureka - ich hatte es gefunden. Diese Ilio-podologische Verbindung war die Folge einer dreifachen Verkürzung der Muskeln M. rektus femoris, M. tensor fascia latae und M. vastus lateralis, die außer der zum Skifahren notwendigen Beweglichkeit des Unterschenkels auch die Tätigkeit des Fußes beeinträchtigte.

Zurück in Paris begann ich mit den anthropologischen Messungen und Auswertungen gemäß der Methode und den spezifischen Hilfsmitteln, die ich an der Salpètriére schon vor 12 Jahren angewandt hatte. Nach der Winkelmessung nach E.I.A.S. des so genannten Schneiderwinkels (der klassische Spino-Calcanische Abstand der Anthropologen) entdeckte ich, das bei meinen Patienten die von mir benannte „schraubenförmige Verdrehung des Beckens“ und die Rotation sowie die Lateralneigung der Wirbelsäule immer zusammen auftraten. Ich überlegte also, dass diese schraubenförmige Verdrehung mit der fixierten Position beim Skilaufen zusammenhängen muss. Mir blieb nur noch den Winkelfehler mit Hilfe der lateralen Längsbänder an der entsprechenden Seite einer orthopädischen Sohle zu beheben. Am Anfang sehr vorsichtig, später als der Erfolg mir recht gegeben hat war ich weniger schüchtern.

Ich sah von der somatischen Verbesserung erst nichts am Becken, also glich ich die Veränderungen aus, was die Stellung der Dornfortsätze mir bestätigten. Die Kontraktionen verschwanden also, was durch andere Manipulationen nicht hatte erreicht werden können; das Schulterblatt entspannte sich, der Rücken richtete sich auf und der Bauch wurde eingezogen. Und das alles war zu erreichen – ohne Krankengymnastik!!

Als Neurologe, der ich war, dämmerte mir: all diese Veränderungen vom Fuß her beginnend, konnten nur vom Zentralnervensystem herrühren. Ich erkannte auch schnell die Nutzlosigkeit großer Korkteile in den Sohlen. Eine kleine Münze unter dem Fersenbein reicht z.b. aus, um entscheidende Veränderungen zu bewirken.

Ich begab mich also zu meinen Fußübungen, immer ausgerüstet mit Winkelmesser, Lot und Kompass, um die Ergebnisse objektiv beurteilen zu können. Dabei entdeckte ich folgendes:

  • Tätigkeiten der Plantarmuskulatur der großen Zehe bei der Bestimmung der Exorotation der unteren Extremität und der Retroversion des Beckens.
  • Tätigkeiten der Plantarmuskulatur des kleinen Zehs bei der gegenläufigen Entwicklung körperlicher Variationen
  • Tätigkeiten des viereckigen Muskelbauchs des M.Sylvius, um zu erreichen, dass der Rumpf nach vorne abknickt und die lumbale Hyperlordose abgeflacht wird
  • Tätigkeiten der Mm Lumbricalis um zu erreichen, dass der Körper sich streckt.

Die Entdeckung der Biografischen Werke von Prof. Winckler, die ich in Lausanne gesehen hatte; ließen mich begreifen, wie wichtig diese unterschiedlichen Muskeln sind. Sie sind der Ausgangspunkt der Sensoren, insbesondere der Kapselsensoren, der Drucksensoren die entlang der propriozeptiven Bahnen und in Gegenläufigkeit zu den somatischen Bewegungsnerven (a –y Eigenreflex) in jeder muskulären Etage einen oszillierenden Kreis formen, der in einer langen physiologischen Kette die darüber gelegenen Etagen erreichten kann.

Ich bin noch immer beeindruckt von der Reichhaltigkeit der erzielten Ergebnisse, die sofort messbar sind, und der Subtilität und Schlichtheit der podo-orthesiologischen Sohle. Was mich veranlasst, noch einmal gründlich über die polysynaptischen propriozeptiven Bahnen nachzudenken. Es gibt in der Neurologie ein bequemes Mittel, das WARUM eines Phänomens zu erklären: das ist das Studium der Aktionsabläufe. Aber es gibt auch ein noch bequemeres Mittel um bestimmte Anomalien zu erklären, ohne in einen Widerspruch zu geraten; bauen Sie ein Interneuron ein! Für manche Physiologen ist das eine wirkliche Spezialität geworden. Treffer! Ein Interneuron findet sich tatsächlich in den propriozeptiven Bahnen. Und das ist außerdem wirklich ein Reizbremser. Es sind die Muskelspindel und die Golgizellen, die sowohl durch ihre Lage im Muskelbauch als auch durch ihre Schaltung auf Zug an den Muskel gezielt reagiert, in dem sie eingebettet ist. Sie erhöht tatsächlich den Entladungsrhythmus proportional zur Muskelspannung und ihre Aktivität schaltet auf Rückenmarksniveau, nicht in der Kette der Bewegungsmuskeln, sonden in diesem berühmten Zwischenneuron, das den kinetischen Effekt umdreht mit ebensoviel Entschiedenheit wie die Reizung, die auf ein Niveau getragen und verstärkt wird. Der Muskel entspannt sich also und das Verletzungsrisiko am Ansatz verringert sich. Ich hatte daher die Idee, dieses System für therapeutische Zwecke zu nutzen um die ligamento-aponeurotische Spannung mittels mechanischer Reize (Podo-Orthese) oder kinetischer Manipulation oder Reflexmassage zu ändern. Das ist also, was ich mir von meinen myotensiven Techniken versprochen habe. Natürlich konnten mich diese neuen Wege nicht von weiteren Untersuchungen und vor allem Dissektionen abhalten.

In Arcs fand im Februar 1975 ein erinnerungswürdiges Seminar statt. Teilnehmer waren u.a. Ton v/d Bos, Gg. V. Roy, Goido Hauwaerts, außerdem ein paar ausgezeichnete Skiläufer. Jeden morgen gingen die Langläufer, bekleidet mit engen Hosen und einem Schuh, der – ohne dass sie es wussten -mit einem dünnen destabilisierenden Element versehen war, in die Loipe. Sie klärten also und überprüften meine Wahrnehmungen durch ihre unwillkürlichen Abweichungen in der sagittalen Kinetik, die sie für sich entdeckten und die ihnen erklärt wurden. Ich demonstrierte ihnen die Wichtigkeit der somatischen Veränderungen, die durch das ganz leichte Ungleichgewicht der Fußstatik entstehen und ich entschied mich, mit Maurice Laisné an meiner Seite Präparationssitzungen zu organisieren. Natürlich begannen wir mit dem Präparieren von Füßen. Ich habe mehr als 500 Präparierungen geleitet und mehrere Dutzend selbst ausgeführt. Um andere Körperteile kümmerten wir uns auch. Es gelang mir, verschiedene besondere muskuläre Strukturen nachzuweisen und (ich denke da unter anderem an die Mm periachiodais) speziell im Hinblick auf ihr Nervensystem zu klären. Ich entdeckte aber auch die Nichtigkeit bestimmter Verstärkungen. Ich habe niemals eine einzige „venöse Sohle von Lejars“ gefunden. Was nichts Gutes über bestimmte Reflextherapien und über einige Hypothesen zur Äthiologie des varikösen Syndroms aussagt. Gleichzeitig machte ich in Zusammenarbeit mit Francoise, mit dem ehrenwerten Doktor Hon Nguyen Tan und André Laurant, elektromyographische Untersuchungen um die Muskelfaserbündel zu bestimmen. Leider lieferte das „Myoskop“, das uns Professor Soryanto besorgte zuviel Hautstimulation über seine Metall-Elektroden, so das es nichts wurde mit unseren perfekten Untersuchungen.

Die Synthese all dieser Arbeiten ergab die neurologische Konzeption zweier unwillkürlicher und reaktogener Syndrome inklusive ihrer morphologischen, physiologischen und pathologischen Kriterien mit der Unterscheidung ihrer mechanischen und ihrer bänderbezogenen Funktionen. Das führte mich (immer mit der Unterstützung meiner Gattin sowie Dr. Guiseppe Bortolins und die Mitglieder meiner Gemmer-Gruppe und Karel Breukhoven) dazu die Kenntnis und das Verständnis der krankhaften Wesen in der Podologie zu vertiefen, indem ich Berechnungen zahlreicher (Einzel-)Faktoren anstellte. Zudem befasste ich mich mit der geologischen Zusammensetzung und dem Erdmagnetismus, mit der Entdeckung des Biomagnetismus, hervorgerufen durch dieselbe Corioliskraft, Ursprung des Geomagnetismus.

Das Studium der biomagnetischen Achsen und ganz besonders der podomagnetischen Achsen in ihren verschiedenen Variationen sind im Augenblick die letzten untersuchten Themen in der Prospherontologie, dieser neuen Wissenschaft vom Wohlfühlen ohne auf chemische oder giftige Substanzen zurückzugreifen.

Vortrag am 29.03.2003 Bad Bentheim Internationaler Kongress der I.F.P.B.

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Am 3 November 2018 fand in den Niederlanden in Soest eine Fachfortbildung zum Thema "Schmerz- ein biopsychosoziales Phänomen" mit Herrn Drs. Vincent van Pelt statt.

Op 3 november 2018 vond in nederland in Soest de Cursus "Pijn - een biopsychosociaal fenomeen" met Drs. Vincent van Pelt plaats.

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Nächster Jahreskongress der IFPB vom 29. - 31. März 2019  wieder in Rummelsberg

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