Statik und proprioceptive Praxis - Prof. Dr. Bortolin, Italien



Nach der Geburt werden sämtliche polyartikulären Knochenstrukturen, vor allen Dingen Fuß und Wirbel von den Belastungen, die auf sie ausgeübt werden, graduell und immer weiter verändert. Jenes Element das unsere physische Konstitution dabei am meisten mit beeinflusst ist die Schwerkraft. Sie verlangt dem menschlichen Organismus große Anstrengungen ab, die er aufwenden muss um ihr Stand zu halten.

Der menschliche Fuß ist derjenige, der sich am meisten vom ursprünglichen Fußmodell der anderen Lebewesen entfernt hat. Der Fuß hat ein sehr hohes Spezialisierungsniveau erreicht um die Standfläche des menschlichen Körpers zu bilden und eine optimale aufrechte Haltung zu garantieren. Wenn der Fuß mit dem Boden in Kontakt kommt, sammelt er die Informationen, die sowohl von außen als auch aus dem Körperinneren kommen. Ein neurologisch gesunder Fuß sammelt folgende Informationen:

  1. Taktile Informationen für die Erkennung der physischen Eigenschaften des Bodens der mit der Fußsohle in Berührung kommt.
  2. Proprioceptive Informationen über die höheren Nervenzentren um über Position und Haltung des Körpers und seiner Glieder zu informieren und in die Regelung und Verteilung des Muskeltonus einzugreifen.
  3. Kinestetische Informationenüber die Muskelsensibilität, die bei der Regelung der motorischen Bewegung eingreifen.

Die Verarbeitung dieser Daten ermöglicht es angemessen das Verhältnis von Körper und Boden in den statischen und dynamischen Funktionen zu modellieren.

Die verschiedenen Muskel-Bänder-Sehnenformationen der Fußsohle sind auf einer dicken Sehnenhaut der oberflächigen Aponeurose der Fußsohle, der sogenannten Aponeurosis plantaris angeordnet. Diese bedeckt eine dicke subcutane Masse aus Fettgewebe, das Capiton, das in aponeurotischen Behältern eingebettet ist. Dieses ist eine Sektion die Dr. Bourdiol durchgeführt hat.

Die Dichte dieser Fettgewebe ist nicht einheitlich. An den distalen Enden kompakter, sind sie hingegen in dem medialen Teil unter dem kurzen Fußbeuger wesentlich flüssiger. Also hinten ist es kompaktes Gewebe, vorne ist es weiches Gewebe. Sie haben die Funktion den durch die Schwerkraft auf den Fuß wirkenden Druck zu verteilen und zwar sowohl in Bewegung als auch in ruhender Position.

Hinsichtlich seines Knochengerüstes ist der Fuß nicht wie ein Gewölbe im eigentlichen Sinn aufgebaut. So kann der Talus keinesfalls als ein klassischer Gewölbeschlussstein angesehen werden.

Lange Zeit hat man angenommen, das der Zusammenhalt der verschiedenen Knochenstrukturen durch die Spannung der Innenmuskulatur und vor allem durch die Sehnen der Außenmuskulatur erfolgt.

Eines Tages jedoch bewiesen die belgischen Forscher de Domber und Kowalski in einem Versuch, das nur die Sektion des Ligamentum plantaren longum den Fuß zum Einstürzen bringen kann. Dr. Bourdiol hat diese Erfahrung aufgegriffen und die Ergebnisse bestätigt.

Es handelt sich technisch gesehen also nicht um ein Fußgewölbe, sondern vielmehr um ein Fuß-Hängewerk. Dieses besteht aus dem Talus, der die Hängesäule darstellt, diese trägt das distale Tibiaende, das mit dem Wrist den Talus artikuliert. Der Calcaneus stellt den Hinterpfosten dar. Ossa tarsalis, Metatarsalia sowie die Zehen bilden den Vorderpfosten. Im großen Ligamentum Plantarus longum, den Zuganker, findet die Verstrebung statt.

Betrachtet man den Fuß im Querschnitt, so erkennt man, das es den oben beschriebenen Hängewerkaufbau nur in der Höhe vom 2. ,3. u. 4. Strahl gibt. Die beiden Seitenstrahlen bilden unvollständige Hängewerke. Im 1. Strahl fehlt der hintere Pfosten, im 5. Strahl fehlen sowohl der Hinterpfosten als auch die Hängesäule. An den Seiten der 3 zentralen Hängewerke angebracht bilden die beiden nebeneinander liegenden Strahlen ihrerseits zwei Hängewerke. Das Äußere und das Innere, die das transversale Gleichgewicht des gesamten Fußaufbaus optimieren. Der 1. und der 5. Strahl sind – um einen besseren seitlichen Halt in der Abschlussphase des Fußes zu erreichen wie ein römischer Bogen an den beiden Seiten des Hängewerks angebracht. Die äußeren Bögen garantieren die Stabilität beim einfüssigen Abstützen beim Gehen, Laufen und beim Springen.

Fuß und Indifferenzen mit dem Haltungssystem

Fuß und Rezeptorensystem
Die Fußsohle ist reich an Hautrezeptoren, sogenannte Exterorezeptoren und Propriozeptoren.

Die Exterorezeptoren
Im Fußsohlenbereich gibt es keine wahren od. echtem Rezeptoren in der Epidermis, d.h. es fehlen die für leichte Tastreize empfänglichen Nervenscheiden. Die verkapselten Elemente befinden sich ausschließlich in der Haut und Unterhaut zwischen Fettgewebe und Sehnen. Die Exterorezeptoren umfassen: die verkapselten Meissner-Rezeptoren, also Tastkörperchen in den Papillenschichten der Haut, die auf den Druck der von Hautkommpression verursachten Deformationen der Papillen reagieren; die Lamellenkörperchen in der Derma die empfindlich und auf leichten Druck reagieren; die großen Vater Pacini Lamellenkörperchen, die für die Wahrnehmung starken Drucks zuständig sind. Ein Teil ihrer Übertragungsbahn besteht aus myelin-freien Fasern mit geringer Leitgeschwindigkeit, ähnlich den nozirezeptiven Fasern.

Die proprioceptiven mechanischen Rezeptoren
Sie bilden die Grundlage der gegen die Schwerkraft wirkenden Orthostatik und befinden sich in Muskeln, Sehnen, Knochen und Gelenken. Besonders zahlreich sind sie im Periost, sowie in den Gelenkkapseln und Sehnen. Man unterteilt sie in zwei verschiedene, einander jedoch physiologisch ergänzende Gruppen. Die nanomuskulären Rezeptoren, die auf die Muskelstreckung reagieren. Die neurotendinösen Golgi Rezeptoren, Sehnenorgane, die durch Muskelkontraktion ausgelöste Spannungsveränderungen wahrnehmen.

Die Muskelspindel:
Muskelspindeln sind Kapselgebilde mit einer Länge von 4-10 mm. Jede Muskelspindel besteht aus kleinen spezialisierten intrafusalen Muskelfasern, die parallel zu den extrafusalen Muskelfasern liegen und gedehnt werden wenn dieser Muskel sich verlängert. Die intrafusalen Fasern weisen eine doppelte Innervation auf: afferente sensorische Innervation und efferente motorische Innervation.

Afferente sensorische Innervation:
Jede Muskelspindel weist zwei Innervationstypen auf, die von der zentralen Region ausgehend primäre sensorische Nervenendungen, sogenannte 1 A und sekundär sensorische Nervenendungen verzweigt, die wegen ihrer Eigenschaften unterschiedlich auf die Muskellängenänderung reagieren. Eine phasische dynamische Reaktion (also die Zeit in der die Länge sich ändert) und eine statische Reaktion während der Muskel die neu erreichte Länge behält.

Efferente motorische Innervation
Die intrafusalen Muskelfasern sind von Gamma-Motoneuron innerviert, deren Aksonen in Beziehung zu den kontraktilen Polen der Fasern selbst stehen, die auch kontraktil sind. Zwei unterschiedliche Gamma-moto-neuronen Typen können selektiv die Reaktion der sensitiven afferenten Muskelspindelendigungen variieren.

  1. Die phasischen Gamma Motoneuronen, die eine starke Erhöhung der Entladungsfrequenz der primären Phase 1 A
  2. Die tonischen Gamma Motoneuronen, die eine Erhöhung der Entladungsfrequenz in der statischen Phase der Dehnung der sekundären 2 und primären 1a Phasen auslösen

Das zentrale Nervensystem kann die Sensibilität der Muskelspindeln über die Gamma Motoneuronen kontrollieren. Die Gamma Motoneuronen bilden die efferente Innervation der Muskelspindel, die vom retikulären System des Rückenmarks abhängt. Bei einer aktiven oder passiven Dehnung der Muskelmasse setzt der intrafusale Apparat eine Sequenz von Impulsen frei, die das sentivitale neuromuskuläre Motoneuron das Alpha-afferente Phasen durchlaufen, dessen Enddentriten mit den Motoneuronen Alpha, Alpha efferente Phasen des medullären Vorderhorns artikulieren. Daraus folgt eine neue Muskelkontraktion, die die mechanische Wirkung des Zuges aufhebt. Diese Art Servosteuerung ermöglicht es, den Muskeltonus nach einer ungewollten oder gewollten Dehnung wieder zu erlangen.

Die Golgi-Sehnen Organe
Die neuro-tendinösen Rezeptoren von Golgi sitzen in der Gelenkhaut senkrecht auf der  Insertion der Sehnenfasern. Diese Rezeptoren bilden auch die selbständige Innervation der Bänder-Insertionen um jegliche Kontraktion auszugleichen, die diese Insertion beschädigen oder abreißen könnte. Die Stimulierung dieser neurotendinösen Rezeptoren aktiviert ein neurotendinöses Motoneuron, das mit einem inhibierendes Interneuron artikuliert, dessen Aktivieren die Hemmung der motorischen Endplatte und somit eine Muskeldekontraktion bewirkt.

Die neuromuskulären funktionalen tendinösen Rezeptoren sind der Ausgangspunkt für die Kleinhirn-Bahnen, die kontinuierlich die mit der individuellen Haltung verbundenen Informationen weiterleiten.

Die beiden unbewussten Rückenmarks-Kleinhirn-Bahnen bilden den Ausgangspunkt unserer rezeptorischen Orthostatik. Sie unterscheiden sich sowohl klinisch als auch aufgrund ihrer Topographie und werden durch den Ursprung ihrer mechanischen Rezeptoren konditioniert.

  1. den Fasern der direkten Flechsig´Bündels Tractus spinocerebellaris dorsalis. Sie werden von den Muskel-, Sehnen- und Gelenksenden aktiviert, die oberhalb des Wirbels T 12 liegen. Ohne sich hier zu kreuzen steigen diese Fasern durch den Seitenstrang des Rückenmarks und den unteren Kleinhirnstiel aufwärts zur Zona intermedia und den Vermis des Cortex des Paleocerebellis.
  2. den Fasern des gekreuzten Gowers´Bündel Tractus spinocerebellaris ventralis. Sie werden von den Impulsen der Muskeln, Sehnen und Gelenke aktiviert, die unterhalb des Wirbels T12 liegen. Diese Fasern steigen durch die Vorderseite des Seitenstrangs aufwärts. Dann setzen sie ihren Aufstieg durch den gesamten Hirnstamm fort, durchlaufen den oberen Kleinhirnstiel und erreichen nach diesen langen Umweg schließlich die obere contralaterale Cortex des Archi cerebellis.

Die verschiedenen Strecken, die diese beiden Bahnen durchlaufen erklären die besondere Rolle des Wirbels T12 der praktisch wie eine Drehscheibe funktioniert und rund um den Körper beim Gehen und Laufen alternierende und symmetrisch abweichende Bewegungen ausführt.
Der Fuß regelt und harmonisiert die aufsteigenden Bahnen und bewirkt die Antwort der absteigenden Bahnen.

Antagonistische Funktionen der mechanischen Rezeptoren in der Statik

Physiologisch: die gegen die Schwerkraft gerichtete Haltung eines stehenden oder liegenden Menschen ist vom Gleichgewicht zwischen diesen beiden mechanischen Rezeptoren abhängig.

Pathologisch:erklärt diese antagonistische Funktion sowohl die schmerzschonenden Haltungen als auch die Entstehung spezieller Morpho-Typen, infolutive, asthenisch, durch Erkrankung oder im Gegensatz dazu reaktive neurologische Symptome .

Therapeutische Funktionen der mechanischen Rezeptoren

Die Stimulierung der Rezeptoren an der Fußsohle löst myotonische Impulse aus, die sich in abgestuften Formen auf den gesamten Körper auswirken. Die Anwendung einer dünnen orthesischen Stimulanz an einen spezifischen Punkt der Fußsohle kann z.B. mit Hilfe eines kleinen Keiles den wir hier neurologisch nennen um ihn von den größeren mechanischen Einlagen zu unterscheiden, den Kreislauf am Ausgangspunkt des neuromuskulären Rezeptors aktivieren um etwa eine Tonus cappilaris auszugleichen oder ein infolutives Symptom zu behandeln.

Etwa durch eine retrocapitale Unterstützung auf die Sehnen oder besser auf die Gelenkformationen einwirkende Ligamentum metatarsaleum transversarum profundum um den Kreislauf am Ausgangspunkt des neurotendinösen Rezeptors zu aktivieren um einen Hohlfuß oder möglich ein reaktives Symptom zu beheben.

Jede, auch noch so leichte Disharmonie des vasorezeptorischen Systems der inneren Muskulatur sowie der Fascien, Bänder und des Sehnensystems hat schwerwiegende Konsequenzen für denn allgemeinen Tonus der Körperhaltung und ab dem 3. Lendenwirbel für die innere Muskulatur der Wirbelsäule.

Auf diesen wirkt sich ferner Lordose und Kyphose sowie auch die Dehnungen des Rückgrats aus und in der Folge auf die Stabilität der Wirbelsäule und die Verteilung der Last auf deren verschiedene Ebenen. Das heißt ein normaler Fuß bewirkt eine gleichmäßige Verteilung der Last auf die verschiedenen Wirbelsäulensegmente. Ein pathologischer Fuß ob Plattfuß oder Hohlfuß, Knickfuß oder alle Asymmetrien führen letztendlich zur falschen Belastung, sowie zur Überbeanspruchung der Wirbelkörper, der Bandscheiben sowie der hinteren Gelenke zwischen den Apophysen. Diese Regel gilt ausnahmslos.

Der Fuß als Schnittstelle zwischen Boden und Körper
Indem er eine Schnittstelle zwischen Boden und Körper darstellt ist der Fuß an der Sammlung und Weitergabe von Informationen über die Art und die Struktur des Bodens beteiligt.

Die statischen kinetischen Eigenschaften des Fußes ermöglichen die aufrechte Haltung beim Gehen, Laufen, Arbeiten und beim Sport. Die mechanischen Eigenschaften der inneren und äußeren Struktur ermöglichen dem Fuß eine Anpassung an die Belastungen und eine Filterung derselben. Zu einem Teil werden Verletzungen und Indikationen jedoch weitergeleitet und wirken sich auf den weiteren Organismus aus. Die Anpassung muß sowohl Barfuß als auch mit vom Schuh gestütztem Fuß möglich sein. Schuhe haben zwar einerseits eine gewisse Stützfunktion, andererseits können sie auch Ursache für die abnormale Belastung sein und rezeptive Informationen verhindern. Was ganz besonders bei Sportschuhen der Fall ist.

Einlagen mit extero-propriozeptiven Elementen:
Einlagen mit extero-propriozeptiven Elementen sind im allgemeinen zwischen den orthopädischen Einlagen und den Plantar-Orthesen einzuordnen. Jedoch im Gegensatz zu den Einlagen mit mechanischer Stützung, deren Aufgabe es ist aufrechte Stützung und Haltung zu sichern, basieren diese Elemente auf anderen neurophysiologischen Ergebnissen. Die Einlagen mit extero-propriozeptiven Elementen ermöglichen auf physiologische Ebene eine gezielte Wirkung auf die Sensibilität der mechanischen Rezeptoren des Fußes und damit auf die Haltungskontrolle. Damit gewährleisten sie eine korrekte orthostatische Position sowie eine ausgeglichene und perfekt koordinierte Motorik.

Bei Haltungsstörungen ermöglichen neurologische extero-propriozeptive Einlagen dank der Eigenschaften ihres Materiales und der verwendeten orthesischen Elemente mittels Aktivierung, Bremsung und Anpassung der Rezeptoren am Ort einen gezielten Eingriff zur Wiederherstellung des Gleichgewichtes des planteren Kontrollsystems.

Eine Alternation der Rezeptoreninformation stellt eine ernsthafte Beeinträchtigung des Körpergleichgewichtes dar. Der physiologisch sympatische und rezeptorische Kontrollmechanismus wirkt unabhängig von der bewussten und regelmäßigen Kontrolle durch das retikuläre System. Der bewusste Teil der Propriozeption des  eigenen Körpers ist in Wahrheit die Synthese aller Informationen, die wir von den Rezeptoren in und um den Gelenken aber auch von den Tastreizen und druckempfindlichen Hautrezeptoren erhalten.

Beim Vorliegen von Haltungsstörungen ist es wichtig, das dem Gebrauch von neurologischen Einlagen ein geeignetes propriozeptives Training mit symphatikaler Reflextherapie zur Wiedererlangung der propriozeptiven Fähigkeiten des Fußes vorangeht.

Dasselbe gilt auch für Sportler und Personen die gezwungen sind orthopädische Einlagen zu tragen.

Ziel der Reedukation ist auch die Beachtung des Grundprinzips, demzufolge auf funktionaler Ebene der Fuß niemals vom übrigen Organismus getrennt oder isoliert betrachtet werden kann. Der Fuß muß als integrativer Teil der Gesamtheit aller Körperfunktionen angesehen werden.

Die Haltungskontrolle
Die Positionierung des menschlichen Körpers mit seinen beweglichen Teilen im Raum erfordert eine dynamische Muskeltätigkeit die in der Lage ist der Erdanziehungskraft entgegenzuwirken. Der Haltungstonus wird von den Skelettmuskeln ermöglicht, die eher tonische Muskelarbeit verrichten und sich damit funktionell von den phasischen, für die Bewegung zuständigen, Muskeln unterscheiden.

Die Rolle der Muskulatur in der Orthostatik
Jeder Muskel erhält vielfältige Reize von verschiedenen Nerven und Bereichen des Gehirns. Die Muskeln können, je nach Art der Arbeit die von ihnen verlangt wird ihre Stoffwechseleigenschaften verändern. Ein und derselbe Muskel kann kinetische oder phasische Aufgaben oder aber posturale tonische Aufgaben erfüllen.

Jeder Nerv befördert Impulse verschiedenster Art in verschiedene Richtungen. Die Muskeln bestehen aus vielerlei Muskelfasern, die in motorische Einheiten organisiert sind. Eine motorische Einheit umfasst das Motoneuron sowie alle von diesem innervierten Muskelfasern. Die zu einer motorischen Einheit gehörenden Muskelfasern sind alle von derselben Art.

Die Muskelfasern der Skelettmuskulatur verfügen nicht über dieselben mechanischen und metabolischen Eigenschaften. Der Großteil der Muskeln besteht aus 3 verschiedenen Typen von motorischen Einheiten, die miteinander vermischt sind. Die maximale Kontraktionsgeschwindigkeit, die Kraft und der Ermüdungsgrad eines Muskels ist von dem Verhältnis abhängig, in dem die verschiedenen Arten von Muskelfasern zueinander stehen aus denen sie gebildet ist.

Ausgehend von diesen anatomischen physiologischen Voraussetzungen hat Dr. Rene Bourdiol die Muskeln in kinetische, emotionale und motorisch posturale Muskeln unterteilt. Diese funktionale Einteilung entspricht einer neuro-anatomischen und klinischen Realität und stellt einen Ausgangspunkt für wichtige therapeutische Anwendungen dar.

Die kinetischen Muskeln
So werden jede Muskeln bezeichnet, deren Tätigkeit geplant ist und willentlich bestimmt und bewusst ausgeführt wird. Ihre Steuerung erfolgt im Neo-Cortex und zwar in den folgenden Schichten : schematisch.

Schicht 4 : pyramidal werden stimulierende Körperbewegungen ausgelöst.

Schicht 6 : parapyramidal in der die assoziierten Bewegungen entstehen.

Schicht 8 : extrapyramidal die für die Präzision, die Feinheit und die in Qualität spezialisierte Bewegung zuständig ist.

Die kinetischen Muskeln entsprechen den weißen Muskeln in der Physiologie. Ihre kinetische Fähigkeit ist durch das Vorherrschen von schnellen phasischen motorischen Einheiten bedingt. Ihre Energie erhalten sie von einem oxidativen äroben Stoffwechsel von Typ 2a oder einem anäroben Stofwechsel von Typ 2b . Es handelt sich hier um schnelle kräftige und effiziente Muskeln mit einer hohen Kontraktionsgeschwindigkeit, die jedoch empfindlich sind und schnell ermüden.

Unter pathologischen Bedingungen wechseln diese Muskeln von phasischer zur tonischer Aktivität. Die Muskelfasern machen also eine langsame Wendung von schnellen, phasischen zu langsamen tonischen Fasern durch. Auch der Muskelmetabolismus verändert sich und es kommt zu Schmerzen, Kontrakturen , zu Verspannungen und Blockaden.

Die emotionalen Muskeln
Emotional nennen wir Muskeln, die folgende Eigenschaften besitzen: Anatomisch gesehen verfügen sie über nur eine Knocheninsertion. Die andere Insertion betrifft die Haut (mimische Muskulatur), die Sehnen (Musculus lymphykale und Musculus plantaris) oder die Aponeurose. Sie sind halbwillkürlich. Sie werden nicht immer bewusst wahrgenommen.
Sie sind von einem besonderen motorischen Cortex abhängig, dem Rhinenzephalon. Ihre Steuerung liegt in den Windungen des Gyrus circuli der genetisch ältesten Großhirnrinde.

Die tonischen posturalen Muskeln
So werden einerseits alle jene Muskeln definiert, die sich der Schwerkraft widersetzen. Andererseits die als Schutz und Alarmsystem dienende Muskulatur wie etwa die Nackenmuskulatur, die über die Integrität des vertigo-vasculären Systems wacht. Es sind die orthostatischen Muskeln, deren tonisch posturale, gegen die Schwerkraft gerichtete Wirkung ist durch das Vorherrschen von langsamen  tonischen motorischen Einheiten bedingt. Die tonisch posturalen Muskeln verfügen über ein spezielles Stoffwechselsystem, damit können sie langsam aber lange Zeit hindurch arbeiten. Die Muskelfasern besitzen einen oxidativen Stoffwechsel und sind sehr gefäßreich. Ihre Kontraktionsgeschwindigkeit ist gering, sie sind jedoch extrem ausdauernd. Wir haben es also mit einem System zu tun, das in der Lage ist, lange Zeit hindurch aktiv zu sein und die entwickelte Kraft konstant beizubehalten. Aus neurologischer Sicht stehen diese Muskeln in einer privilegierten Beziehung zu den propriozeptiven Rezeptoren. Ihre Steuerung ist unbewusst, sie geht aus von Subcoricle Kenre,vom Kleinhirn und vom Hirnstamm. Diese Muskeln werden rezeptorisch also automatisch gesteuert und komprimiert.

Unter pathologischen Bedingungen wechseln diese Muskeln von tonischer zur phasischer Aktivität. Die Muskelfasern machen also eine langsame Wendung vom langsamen tonischen zu schnellen phasischen Fasern durch. Auch der Muskelmetabolismus verändert sich und es kommt zu Schmerzen, Kontrakturen , zur Instabilität.

Fuß und Kleinhirnsystem
Das Kleinhirn kann aus biokinetischer und anatomisch funktionaler Sicht in drei Lappen unterteilt werden, die verschiedene einander ergänzende Bedeutungen haben.

  • Der älteste Teil des Kleinhirns, das Archicerebellum , ein wesentlicher Bestandteil des Vestibularapparates von dem das Gleichgewicht abhängt.
  • Ein etwas jüngeres Kleinhirn, das Paläocerebellum, das mit dem Rückenmark verbunden ist und für den Tonus der posturalen Muskulatur und die Koordination des Mukeltonus sorgt.
  • Das jungste Kleinhirn, das Neocerebellum, das mit der Brücke und den Hemisphären zusammenhängt, die willkürliche Aktivität steuert und für die Feinkoordination der Bewegungen verantwortlich ist.

Das für das Gleichgewicht zuständige Archicerebellum ist mit dem kurzen Flexor (M. flexor hallucis brevis) und den Adduktoren ( M. adduktor hallucis) der großen Zehen verbunden. Die Sesambeine spielen hier eine wichtige Rolle in der Kontrolle der seitlichen Belastung.

Das Paläocerebellum ist jenes Element, das unsere Körperbeziehung zur Erdanziehungskraft kontrolliert und die Orthostatik regelt. Die Oberflächenmuskulatur der Fußsohle setzt sich zusammen aus den Abduktoren der großen Zehen (M. abduktor hallucis) , dem kurzen Abduktor (M. abduktor digiti minim) der kleinen Zehen und den Zehenbeuger. (M. flexor digitorum) Die Aktivierung dieser Muskeln ist bestimmend für den Haltungstonus.

Das Neocerebellum ist ausschließlich mit der Hirnrinde verbunden. Das Neocerebellum erhält ständige Informationen sowohl zum Zustand der Muskeln, Sehnen und Gelenke, afferente proprioceptive Bahnen als auch zu den vom Cortex bearbeiteten motorischen Ebenen afferente Cortex-Kleinhirn-Bahnen. Das Neocerebellum hat eine Schlüsselrolle in der Kontrolle der motorischen Koordination. Die mittlere Muskelschicht der Fußsohle besteht aus dem M.flexor digitorum brevis, die Mm. Lumbricalis und dem M. quadratus plantar. Verantwortlich für die Kontrolle der virtuellen Mobilität steuert das Neocerebellum das Wechselspiel von pyramidalen und extrapyramidalem System

Die schwingenden Muskelketten
Dabei handelt es sich um die proprioceptive posturale Kette. Sie bedingt die alternierende Beteiligung der Haltungsmuskulatur, die subcortical also unwillkürlich kontrolliert wird. Wir haben ihre Bestandteile über lange Zeit hindurch elektromyografisch erforscht und beobachtet. Diese Muskelgruppe die Rene Bourdiol nach jenen Fußformationen benannt hat, in denen sie ihren Ausgangspunkt haben. Die propriozeptive Kette bezeichnet daher eine von den Flexoren ausgehende Kette, da diese ihren Ursprung in den Beuge-Muskeln des Fußes und der Zehen hat. Ihr gegenüber stehen die von den Extero-sensor ausgehende Kette, die ihren Ursprung in den langen Streckmuskeln des Fußes und der Zehen, sowie der kurzen Streckmuskeln der Zehen hat.

Aktuelles

 

Am 3 November 2018 fand in den Niederlanden in Soest eine Fachfortbildung zum Thema "Schmerz- ein biopsychosoziales Phänomen" mit Herrn Drs. Vincent van Pelt statt.

Op 3 november 2018 vond in nederland in Soest de Cursus "Pijn - een biopsychosociaal fenomeen" met Drs. Vincent van Pelt plaats.

hier een bericht

 

Nächster Jahreskongress der IFPB vom 29. - 31. März 2019  wieder in Rummelsberg

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